Geschichte

Ein mit der Abwicklung eines Nachlasses betrauter Pariser Notar stand im Jahr 1830 einem besonderen Problem gegenüber: Es hatte sich bei ihm lediglich ein Teil der Erben gemeldet. Die anderen eventuell erbberechtigten Personen waren unbekannt. Die von den sich bei ihm präsentierenden Erben gewünschte Bescheinigung zum Nachweis ihres Erbrechts konnte er so nicht guten Gewissens ausstellen. Er entschied sich daher, die Frage der „Erbfolge“ seinem Sekretär Monsieur Trannoy zu übergeben und diesen die komplette Liste der Erben im Rahmen des gültigen Erbrechts aufzustellen zu lassen.

Monsieur Trannoy gelang es im Lauf eines Jahres anhand von Recherchen, die ihn quer durch Frankreich reisen, Standesamtsregister sichten, Steuer- und Zivilquellen konsultieren, das Familienumfeld befragen und die Familiengeschichte nachzeichnen ließen, die dem Notar noch fehlenden wertvollen Auskünfte einzuholen und eine vollständige Liste aufzustellen. Die Durchführung dieser Aufgabe hat Zeit und Energie in einem Umfang in Anspruch genommen, die der Notar Monsieur Trannoy nicht angemessen entgelten konnte.

Der Sekretär erkannte, dass ein Bedarf an dieser die Notarstätigkeit unterstützenden Dienstleistung bestand. Er gründete in Paris „Les Archives Généalogiques“ und spezialisierte sich auf die Erbenermittlung: Ein neuer Beruf war geboren.

Parallel zu den Aufgaben der Ermittlung und Nachlassregelung verfolgten die ersten Teilhaber ein weit angelegtes Projekt, um ihre Recherchen auf vorhandene Quellen stützen zu können: Sie legten auf Basis von Informationen aus standesamtlichen Registern, Wählerlisten oder Nachlassinventaren Dokumente an, die nach und nach zu einem unschätzbaren Bestand anwuchsen: Die 200 Millionen Akten und 15 000 Bände bilden heute eine einzigartige Quelle, da während der Ereignisse um die Pariser Kommune 1871 die Pariser Kirchen- und Standesamtsregister durch Brand vernichtet wurden (1).

Der Gründer des Büros und seit 1838 Teilhaber, zog sich 1857 aus dem Geschäft zurück. Die Büroräume befanden sich zunächst in dem Gebäude 16bis der cité Trévise in Paris und wurden mit seinem Austritt in die Nr. 5 in der rue Saint-Martin verlegt. Am 10. Mai 1881 schließlich erwarben die Teilhaber Alfred Manigot, Jules Jorre et Gustave Pelletier das herrschaftliche Gebäude und ehemalige Wohnhaus des französischen Ministers Lambrechts „Commines de Marsilly“, das bis heute der Sitz der Gesellschaft ist.

Die Archives Généalogiques Andriveau bestehen inzwischen seit sechs Generationen. Die Leitung obliegt heute zwei Nachfahren der Familie Pelletier, Cécile und Matthieu Andriveau.

(1) Diese Dokumente enthalten detaillierte Informationen aus den Standesamtsregistern von Paris sowie weiterer französischer und ausländischer Städte. Die Pariser Akten sind heute einzigartig. Sie wurden um 1850, vor den Zerstörungen in Paris zu Zeiten der Kommune, zusammengestellt. Damit enthalten sie die einzigen noch erhaltenen kompletten standesamtlichen Unterlagen der französischen Hauptstadt ab dem Jahr 1680. Diese Dokumente gelten heute als quasi offiziell. Sie werden in einzelnen Fällen formal von den französischen Gerichten als Ersatz für die 1871 zerstörten Dokumente anerkannt (Gerichtsurteil des Tribunal de la Seine vom 14. Dezember 1895).